#Wochenbrief KW 38 – „Lasst uns aufeinander achthaben und zur Liebe und zu guten Werken anspornen.“

„Lasst uns aufeinander achthaben und zur Liebe und zu guten Werken anspornen.“ (Hebräer 10,24)

Liebe Geschwister der Kreuzgemeinde,

wer mich ein wenig näher kennt, weiß vielleicht, dass ich gerne Rennrad fahre. Nicht besonders ambitioniert, nicht sehr gut – dafür lebe ich wohl nicht asketisch genug. Wenn möglich, ist es für mich aber ein herrlicher Ausgleich, um auf schnellen Touren durch das Bremer Umland Kopf und Herz frei zu bekommen. Vor zwei Wochen habe ich nun zum ersten Mal in meinem Leben an einem sogenannten „Jedermann-Rennen“ teilgenommen, das von Bremen aus startete. 2000 Teilnehmer waren gemeldet. 97 Kilometer, oft bei hohem Tempo und teilweise stürmischem Gegenwind – mir hat dieses Rennen ALLES abverlangt, bis hin zur völligen Erschöpfung am Ziel.

In mehreren Dörfern auf dem Weg hatten sich Anwohner an der Straße aufgestellt, teilweise auch Picknicktische aufgebaut, um dem Treiben zuzusehen und uns vorbeisausende Fahrer freundlich anzufeuern. Da waren Kinder mit Trommeln, ein Junge blies auf einer Trompete. Und das erstaunliche war:  je länger das Rennen dauerte, je kaputter ich mich körperlich fühlte, desto mehr haben mir diese kleinen Ermunterungen bedeutet. Weshalb?  Sie haben mir in dem Moment das Gefühl vermittelt, dass es nicht egal ist, was ich hier gerade tue. Da sind Menschen, die sehen mich, nehmen Anteil und schätzen meinen Einsatz!

Tatsächlich haben mir diese Anfeuerungen immer wieder ein wenig neue Kraft und Motivation verliehen. Und noch während des Rennens dachte ich daran, wie wertvoll und schön das ist, wenn unsere Gemeinden ein solcher Ort sind. Wo wir uns sehen, wo wir an dem geistlichen Lauf unseres Lebens gegenseitig Anteil nehmen können. Wo uns klar wird: es gibt Menschen, denen bedeutet es etwas, dass ich hier bin, dass ich mich anstrenge, um diesen Weg der Nachfolge Jesu zu bewältigen – der manchmal anstrengend sein kann.

Es gibt Zeiten, in denen mir selbst – geistlich gesehen – die Puste ausgeht, in denen ich mich erschöpft fühle. Im pastoralen Dienst ist das schwierig, denn da müssen wir ja trotzdem „liefern“ und anderen auf ihrem Weg weiterhelfen. Wie dankbar bin ich dann für Worte der Aufmunterung und Ermutigung von Geschwistern! Wieviel Dankbarkeit durfte ich aber auch selber schon erleben, wenn ein Mensch sich gesehen fühlte, der sonst vielleicht eher im Stillen und unbemerkt die Runden seines Lebens dreht. Der in diesem Leben niemals auf dem „Podium der Sieger“ stehen wird, sondern einfach versucht, irgendwie den Anschluss an die anderen nicht zu verlieren. Wie sehr brauchen gerade solche Geschwister ein Wort der Ermutigung und Aufmunterung, ein Gebet. Das Gefühl, noch gesehen zu werden. Ein solcher Ort sollte – und kann – die Gemeinde Jesu Christi unbedingt sein.  Im biblischen Hebräerbrief heißt es:

„Lasst uns aufeinander achthaben (auch zu übersetzen mit: „bemerken, wahrnehmen“) und uns zur Liebe und zu guten Werken anspornen (auch zu übersetzen mit: „ermutigen, anfeuern“).“ 

So sei es. Damit wir alle, die wir auf dem Weg der Nachfolge unseres HERRN und Erlösers Jesus Christus unterwegs sind, einmal die Worte des Apostels Paulus sprechen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt.“ 
(2. Timotheus 4,7). Gemeinsam geht das viel besser. Daher – Gott sei Dank für unsere Gemeinden!
Amen.