„Lasst uns aufeinander achthaben und zur Liebe und zu guten Werken
anspornen.“ (Hebräer 10,24)
Liebe Geschwister der
Kreuzgemeinde,
wer mich ein wenig näher kennt,
weiß vielleicht, dass ich gerne Rennrad fahre. Nicht besonders ambitioniert,
nicht sehr gut – dafür lebe ich wohl nicht asketisch genug. Wenn möglich, ist
es für mich aber ein herrlicher Ausgleich, um auf schnellen Touren durch das
Bremer Umland Kopf und Herz frei zu bekommen. Vor zwei Wochen habe ich nun zum
ersten Mal in meinem Leben an einem sogenannten „Jedermann-Rennen“ teilgenommen,
das von Bremen aus startete. 2000 Teilnehmer waren gemeldet. 97 Kilometer, oft
bei hohem Tempo und teilweise stürmischem Gegenwind – mir hat dieses Rennen ALLES
abverlangt, bis hin zur völligen Erschöpfung am Ziel.
In mehreren Dörfern auf dem Weg hatten
sich Anwohner an der Straße aufgestellt, teilweise auch Picknicktische
aufgebaut, um dem Treiben zuzusehen und uns vorbeisausende Fahrer freundlich
anzufeuern. Da waren Kinder mit Trommeln, ein Junge blies auf einer Trompete. Und
das erstaunliche war: je länger das
Rennen dauerte, je kaputter ich mich körperlich fühlte, desto mehr haben mir
diese kleinen Ermunterungen bedeutet. Weshalb?
Sie haben mir in dem Moment das Gefühl vermittelt, dass es nicht egal ist, was ich hier gerade tue. Da sind Menschen, die sehen
mich, nehmen Anteil und schätzen meinen Einsatz!
Tatsächlich haben mir diese
Anfeuerungen immer wieder ein wenig neue Kraft und Motivation verliehen. Und
noch während des Rennens dachte ich daran, wie wertvoll und schön das ist, wenn
unsere Gemeinden ein solcher Ort sind. Wo wir uns sehen, wo wir an dem
geistlichen Lauf unseres Lebens gegenseitig Anteil nehmen können. Wo uns klar
wird: es gibt Menschen, denen bedeutet es
etwas, dass ich hier bin, dass ich mich anstrenge, um diesen Weg der Nachfolge
Jesu zu bewältigen – der manchmal anstrengend sein kann.
Es gibt Zeiten, in denen mir
selbst – geistlich gesehen – die Puste ausgeht, in denen ich mich erschöpft
fühle. Im pastoralen Dienst ist das schwierig, denn da müssen wir ja trotzdem
„liefern“ und anderen auf ihrem Weg weiterhelfen. Wie dankbar bin ich dann für
Worte der Aufmunterung und Ermutigung von Geschwistern! Wieviel Dankbarkeit
durfte ich aber auch selber schon erleben, wenn ein Mensch sich gesehen fühlte,
der sonst vielleicht eher im Stillen und unbemerkt die Runden seines Lebens
dreht. Der in diesem Leben niemals auf dem „Podium der Sieger“ stehen wird,
sondern einfach versucht, irgendwie den Anschluss an die anderen nicht zu
verlieren. Wie sehr brauchen gerade solche Geschwister ein Wort der Ermutigung
und Aufmunterung, ein Gebet. Das Gefühl, noch gesehen zu werden. Ein solcher
Ort sollte – und kann – die Gemeinde
Jesu Christi unbedingt sein. Im biblischen
Hebräerbrief heißt es:
„Lasst uns aufeinander achthaben
(auch zu übersetzen mit: „bemerken, wahrnehmen“) und uns zur Liebe und zu guten Werken anspornen (auch zu übersetzen mit: „ermutigen, anfeuern“).“
So sei es. Damit wir alle, die
wir auf dem Weg der Nachfolge unseres HERRN und Erlösers Jesus Christus unterwegs
sind, einmal die Worte des Apostels Paulus sprechen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe
den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt.“
(2. Timotheus 4,7). Gemeinsam
geht das viel besser. Daher – Gott sei Dank für unsere Gemeinden!
Amen.