#Wochenbrief KW39 „Die Spannung zwischen der Hülle und dem Kern des Glaubens“

Die Spannung zwischen der Hülle und dem Kern des Glaubens

31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.

 32 Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dann umkehrst, so stärke deine Brüder.

 33 Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.

 34 Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst. Lukas 22:31-34

 

Es gibt Früchte deren Qualität erst dann sichtbar werden, wenn wir ihre Schale öffnen. Der Kauf einer Wassermelone bleibt zum Beispiel immer eine Glückssache. Erst beim Öffnen der Schale sehen und schmecken wir, was wir gekauft haben.

Auch im Bereich des Glaubens gibt es eine Spannung zwischen Hülle und Kern.

Nach dem letzten Mahl, bei dem Jesus über die Notwendigkeit seines Opfertodes redet, sagt Jesus, dass der Satan die Jünger „sieben wird wie den Weizen“. Bei diesem Satz ist weniger der Teufel wichtig, als das, was mit „sieben“ gemeint ist.

„Sieben wie Weizen“ bedeutet „gedroschen werden wie Weizen“. Beim Dreschen wird die Schutzhaut, die das Weizenkorn an der Ähre festhält, aufgebrochen, so dass am Ende einerseits das Weizenkorn, andererseits die Spreu übrig bleibt.

Was bedeutet aber für Petrus, dass er gedroschen werden muss? Was ist in seinem Fall der Kern und was ist die Hülle? Der Kern ist sein Glaube (siehe Vers 32). Die Hülle, die zerbrechen musste, war seine falsche Vorstellung über Jesus. Petrus hat bis zum Schluss gehofft, dass Jesus der irdische Messias ist, der Israel befreien wird und an dessen Seite er mitregieren wird. Später, am Hofe des Hohenpriesters erkennt Petrus, dass der Jesus, an den er geglaubt hat, dem er nachgefolgt ist, ihn enttäuscht hat. Er verleugnet ihn, er will mit ihm nichts mehr zu tun haben. Petrus will ihn nicht mehr kennen. 

Die Zerstörung der Hülle, die seinen Glaubenskern zusammenhielt, führt zu einer tiefen Krise bei Petrus. Jesus versichert ihn aber, dass er in dieser Stunde nicht allein sein wird, sondern er im Focus der geballten Präsenz des Dreieinigen Gottes sein wird, so dass sein Glaube nicht aufhören möge.

Auch unser Glaube hat Schutzhüllen. Es kann die Gemeinschaft in der Gemeinde sein, geistliche Väter und Mütter, die uns im Glauben ermutigen, der Dienst in der Gemeinde, persönliche Pläne und Träume, in deren Verwirklichung wir das Wirken Gottes sehen.

Diese Schutzhüllen des Glaubens können (weg)brechen. Corona hat uns gezeigt, wie es ist, wenn die Gemeinschaft der Gemeinde und der Dienst in der Gemeinde wegfallen. Geistliche Mütter und Väter verlassen uns oder können uns enttäuschen. Persönliche Pläne gehen nicht in Erfüllung. Was passiert, wenn diese Schutzhüllen unseres Glaubens wegfallen?

Der Kern des Glaubens wird sichtbar. Es ist die Chance, das Wesen unseres Glaubens zu erkennen. Dann sehen wir, ob wir – wie Petrus – aus einem falschen Grund geglaubt haben, ob der Glaube nur aus Hüllen bestand oder der Glaube echt ist.

Zum Kern des Glaubens gehört, dass wir Geschöpfe Gottes sind, aber durch die Sünde des Unglaubens von ihm getrennt waren, dass Jesus am Kreuz für unsere Schuld gestorben ist, dass wir mit Jesus wieder in Gemeinschaft sein können, wenn wir unsere Schuld bekennen, dass wir dann in Gehorsam zu seinem Wort leben, dass wir die Ewigkeit im Himmel mit Jesus verbringen werden. Das ist der Kern des Glaubens.

Diesen Kern schützen wir mit Hüllen, die Jesus selbst uns gegeben hat: Mit der Gemeinschaft der Gemeinde, mit seinem Segen auf unser Leben, … Aber gelegentlich lässt er es zu, dass diese Hüllen brechen. Das kann zur Krise führen.

In der Krise spricht Jesus auch uns zu: Wir sind nicht allein. Sondern wir sind in der geballten Aufmerksamkeit des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Geistes. Er will, dass dein Glaube nicht aufhört, sondern sich von vielleicht falschen Hüllen befreit und der Glaubenskern gestärkt wird.

 

Pastor Johann Vollbracht