„Geliebt
Liebe leben lernen“ (2): Leben ohne Liebe?
Liebe
Leserinnen und Leser dieses Wochenbriefes!
Leben ohne Liebe? Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnehmen
wird, wird bei den meisten die Liebe erkalten. (Matthäus 24, 12) Jesus
sagt für die Zeiten der endzeitlichen Weltentwicklung vor seiner Wiederkunft
voraus, dass die Liebe immer weiter abnehmen wird. Stattdessen kann Hass zur
bestimmenden Größe werden. Aber viel häufiger löst selbstbezogene
Gleichgültigkeit die Liebe ab. Das Gegenteil von Liebe ist Gleichgültigkeit. In
der Praxis des Lebens gehört dazu dann jede Form von Zügellosigkeit: Wenn das
menschliche Potential zum Bösen nicht mehr durch die Gebote Gottes und nicht
mehr durch bewusst gelebte Liebe gezügelt wird, dann wird das Miteinander in
der Gesellschaft und auch in der Gemeinde Jesu immer schwieriger und irgendwann
unmöglich. Und das Nebeneinander und Gegeneinander wird immer bestimmender.
Wenn wir uns fragen, ob wir denn liebende Menschen sind,
trösten wir uns oft damit, dass wir ja unsere Angehörigen und unsere engsten
Freunde lieben. Der ernüchternde Kommentar von Jesus ist da ein Weckruf: „Wenn
ihr nur die liebt, die euch Liebe erweisen, was für einen Lohn habt ihr dafür
zu erwarten?“ (Matthäus 5, 46a) Die Liebe Gottes umfasst auch die Liebe zum
Fremden, ja auch die Liebe zu Feinden, oder zusammengefasst ausgedrückt, zu
allen unseren Mitmenschen: „Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!“
(Markus 12, 31) Für oft selbstbezogene, selbstsüchtige Menschen des 21.
Jahrhunderts ist es nicht selten eine Überraschung, wenn sie erkennen, dass
nicht nur sie selbst angewiesen sind auf Liebe, sondern auch alle anderen.
Geliebt zu werden zu erwarten, erscheint uns selbstverständlich – selbst zu
lieben (wobei es nicht um uns, sondern um andere geht) gerät durch
Selbstbezogenheit und Narzissmus ins Hintertreffen. Wir sind häufig mehr von
der „Selbst-Religion“ des 21. Jahrhunderts betroffen, als wir es wahrhaben
wollen.
Angewiesen auf Liebe! Das Wesen Mensch kann
nicht gut leben, ohne geliebt zu werden und ohne zu lieben. Für diese
Erkenntnis braucht man kein Christ zu sein. Folgende Zitate zeugen von der
unübersehbaren Bedeutung von Liebe: “Liebe ist, wenn aus dem Du und Ich
ein Wir entsteht.” (unbekannt) – “Liebe ist der Entschluss, das Ganze
eines Menschen zu bejahen, die Einzelheiten mögen sein, wie sie wollen.”
(Otto Flake) – “Liebe mich dann am meisten, wenn ich es am
wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am nötigsten.” – „Liebe
ist das Einzige, was nicht weniger wird, wenn wir es verschwenden.“ – Ricarda
Huch – „Wenn du geliebt werden willst, liebe.“ (Hekaton) – “Die
Liebe ist der Endzweck der Weltgeschichte, das Amen des Universums.”
(Novalis)
Als von Gott geliebte Menschen aufgefordert zur Liebe: „Ein
neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch
geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt. Daran wird jedermann erkennen,
dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannes
13, 34.35)
Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch
untereinander liebt… Für Jesus als dem Sohn Gottes ist gegenseitige Liebe,
Lieben im Miteinander und Füreinander, selbstverständlich und grundlegend. Er
kennt das aus dem Miteinander und dem Eins-Sein zwischen Gott-Vater, Gott-Sohn
und Gott-Heiliger Geist. Die Dreieinigkeit liebt sich in uneingeschränkter
Weise untereinander – das ist das Urbild und das Vorbild für Liebe. In der
gefallenen Schöpfung ist Lieben für uns Menschen nicht mehr selbstverständlich,
wir dürfen und können es – als Sünder von Gott angenommen und geliebt – lernen:
…wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr
einander lieb habt… Als von Gott geliebte Menschen lieben zu lernen ist kein
unerbittliches eigenes Anstrengen (und Scheitern!) aus begrenzter eigener
Kraft, sondern wird aus der Quelle der Liebe bei Gott immer neu möglich. Die
Liebe Gottes kommt immer neu durch das Evangelium bei uns an und aus erfahrener
Barmherzigkeit wird immer mehr eigenes Erbarmen.
Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine
Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.
Liebe fällt auf! Besonders in einer Zeit zunehmender
Gleichgültigkeit! Wenn Christen und Gemeinden von immer mehr Liebe geprägt
sind, werden Menschen wie von selbst aufmerksam auf das, wonach sie sich auch
selbst sehnen: Einer Gemeinschaft anzugehören, die von gegenseitiger Annahme und von ehrlichem
Interesse am Ergehen anderer geprägt ist.
Fragen zur Selbstprüfung: Liebe ich nur die, die mich
lieben, wie z.B. meine eigene Familie? Wo bin ich gleichgültig geworden
gegenüber Geschwistern im Glauben und gegenüber meinen Mitmenschen? Wie kann
ich mich selbst neu nach Gottes Liebe ausstrecken, damit ich selbst
liebesfähiger werde?
Steffen
Kahl, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Kreuzgemeinde Bremen, 08. Februar
2026 (KW 07)