Sonntag, 22.03.2026 | glauben. einfach. leben. oder: wie wir Jüngerschaft neu erleben können
Vor etwa drei Jahren fand in Stavanger, Norwegen der Missionskongress der European Baptist Feder-
ation (EBF) statt, also dem Verbund europäischer Baptisten. Auf diesem Kongress ging es natürlich
darum, wie wir heute Menschen mit der guten Nachricht von Jesus erreichen können. Es gab viele
interessante Rednerinnen und Redner aus aller Welt. Ein Redner hat mich damals besonders angespro-
chen: Benjamin Frances aus Indien. Er beschrieb, wie in Indien auf sehr einfache aber eindrückliche
Weise durch gelebte Jüngerschaft jedes Jahr viele Menschen zum Glauben an Jesus finden und hun-
derte kleine Gemeinden gegründet werden, die so überzeugend mit Jesus in ihrem Alltag leben, dass
sich wieder neue kleine Gemeinden bilden. Er sprach von einer Jüngerschaftsbewegung die Menschen,
Familien und ganze Dörfer verändert, einfach, weil sie Jesus nachfolgen und von dem weiter erzählen,
was sie mit Jesus erleben. Und ich habe mich gefragt, ob so etwas auch in Europa möglich sein könnte.
Kurz darauf lernte ich zwei Engländer kennen, die mit den Prinzipien, die Benjamin Frances zuvor vor-
gestellt hatte, mit Gemeinden in Yorkshire arbeiten. Sie berichteten, dass sie auch hier in Europa er-
lebten, wie Menschen mit einfachen Jüngerschaftsprinzipien Gemeinde bauen, Menschen Jesus neu
kennenlernen und an vielen Orten neue, kleine Gemeinden und Gemeinschaften entstehen, die Jesus
nachfolgen und von ihm weitererzählen.
Wie wäre es, wenn Jüngerschaft und Mission ganz einfach wären? In Indien haben sie einfache Prinzi-
pien entwickelt, die sich inzwischen weltweit bewährt haben. Sie treffen sich als kleine Gruppe, tau-
schen sich aus und lesen miteinander einen Abschnitt der Bibel. Dazu stellen sie sich vier einfache
Fragen: 1) Was berührt dich an dem Text? 2) Was findest du an dem Text herausfordernd, oder unver-
ständlich? 3) Was lernst du über Gott? und 4) Was lernst du über dich oder über Menschen? Dazu
tauscht man sich jeweils kurz aus, hört einander zu und lernt voneinander, was der Heilige Geist auch
durch die anderen zu mir sagt. Anschließend beten sie gemeinsam und fragen, was von dem gelernten
sie in der kommenden Woche ganz praktisch umsetzen wollen und mit wem sie das gelernte teilen
wollen. Beim nächsten Mal tauschen sie sich darüber aus, wie es ihnen damit ergangen ist. Dadurch
erleben sie tiefe, geistliche Gemeinschaft, unterstützen sich gegenseitig in ihrem Glauben und Alltag,
beten füreinander, und teilen es mit Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Und sie erleben, wie sie im Glau-
ben und der Gemeinschaft auf der einen Seite wachsen, und wie neue Menschen mit dem Evangelium erreicht
werden, – ganz einfach.
In der Predigt heute haben wir mit der ersten Frage an-
gefangen, den Text aus Lk 5, 1-11 miteinander zu teilen:
Was berührt dich?
Was berührt dich, wenn du diesen Text liest? Und was
kannst du in der kommenden Woche davon umsetzen, was dich hier angesprochen hat? Gibt es etwas,
das du mit jemandem teilen kannst, der Jesus noch nicht kennt?
Es ist immer wieder spannend, wie unterschiedlich wir von Jesus angesprochen werden. So hat er es
auch mit Petrus gemacht. Er hat ihn dort abgeholt, wo er „Zuhause“ war, wo er in seinem Element war,
um ihm zu zeigen, wer er ist. Und Petrus hat hier staunend erkannt, wer Jesus ist. Aber er hatte auch
Selbstzweifel, weil er ebenso erkannt hat, wer er selbst ist. Und dennoch nimmt für Petrus hier alles
seinen Anfang. Jesus ruft ihn auf ihm nachzufolgen. Und das tut Petrus. Er folgt Jesus nach, lässt alles
stehen und liegen, um mit diesem Jesus zusammen zu sein, weil nichts vergleichbar ist zu dem, als bei
diesem Jesus zu sein. Diesen einen Gedanken aus dem Austausch und der Predigt möchte ich hier mit
dir teilen. Da wo Jesus ist, ist es besser als überall sonst. Er meint dich, so wie er Petrus gemeint hat
und kennt dich so, wie er Petrus kannte. Er möchte dir dort begegnen, wo du Zuhause bist und dich so
gebrauchen, wie du bist. Die Frage, die wir beantworten müssen, ist nur, ob wir da sein wollen, wo
Jesus ist. Jüngerschaft beginnt, wenn du anfängst, da wo du bist. Eine gesegnete Woche dir!
Bild: © Chris Duffett; fotografiert in der Toxteth Baptist Church,
Liverpool by A. Peter