Geliebt Liebe leben lernen (3): Gottes Liebe
konkret erfahren
Liebe
Leserinnen und Leser dieses Wochenbriefes!
„Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit
entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm
um den Hals und küsste ihn.“ (Lukas 15, 20 LB2017) Diese Szene
aus der Geschichte von dem verlorenen Sohn kennen wir gut. Die Umkehr des
Sohnes zum Vater wird von überfließender Liebe und Gnade des Vaters bestimmt. Genauso
erleben wir es auch oder haben es so erlebt, dass am Anfang unseres Lebens mit
Jesus die überwältigende Erfahrung der Gnade und Liebe Gottes steht. Allzu oft
kommt es dann aber zu einem tragischen Fehlschluss: Von dieser
Ursprungs-Erfahrung ausgehend muss ich nun selber sehen, wie ich lerne, Gott
gehorsam zu sein und seinen Willen zu tun. Und aus den geliebten Kindern des
Vaters wird unmerklich „Knechte“ oder „Mägde“ Jesu Christi, die mühevoll und
gestresst aus eigener Kraft versuchen, Gott zu gefallen.
„Doch als die Zeit dafür gekommen war, sandte Gott seinen Sohn. Er wurde
als Mensch von einer Frau geboren und war dem Gesetz unterstellt. Auf diese
Weise wollte Gott die freikaufen, die dem Gesetz unterstanden; wir sollten in
alle Rechte von Söhnen und Töchtern Gottes eingesetzt werden. Weil ihr nun also
seine Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen
gesandt, den Geist, der in uns betet und »Abba, Vater!« ruft. Daran zeigt sich,
dass du kein Sklave mehr bist, sondern ein Sohn. Wenn du aber ein Sohn bist,
bist du auch ein Erbe; Gott selbst hat dich dazu bestimmt.“ (Galater 4, 4-7 NGÜ) Die alles verändernde Erkenntnis
ist, dass wir täglich neu uns in die liebenden Arme des Vaters werfen dürfen,
mit aller Freude, mit aller Traurigkeit, mit unserem Versagen und unseren
Verletzungen. Dazu sind wir täglich eingeladen, nicht nur bei unserer Umkehr zu
Gott am Anfang unseres Glaubenslebens!
Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz
ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus
geworden. (Johannes 1, 16 LB2027)
Aus der täglichen Erfahrung der „Fülle der Gnade“ wird uns immer bewusster,
wie sehr uns Gott liebt – jeden Tag unseres Lebens. So machen wir die gleiche
Erfahrung wie Maria Magdalena, über die Jesus sagt: Ihre vielen
Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird,
der liebt wenig. (Lukas 7, 47 LB2017) Wir dürfen den Schluss ziehen: Wer wenig bis gar nicht aus der Nähe
zum liebevollen und gnädigen Jesus lebt, der wird kaum liebesfähiger werden.
Erfahrene Barmherzigkeit macht barmherzig, Selbstgerechtigkeit und Stolz machen
kalt, selbstbezogen, unbarmherzig und lieblos. Wie oft entdecken wir uns selbst
so?
„Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir
geholfen; denn du bist mein Ruhm.“ Jeremia 17, 14 So dürfen wir
täglich wie Jeremia beten. Wir brauchen nichts allein aus eigener Kraft
stemmen, sondern dürfen unsere kleinen und großen Herausforderungen mit Jesus
besprechen, der uns bis ins tiefste Innere kennt wie kein anderer, ja auch wir
selbst kennen uns nicht so gut, wie Jesus uns kennt: „Denn er wusste, was
im Menschen war.“ (Johannes 2, 25 LB2017)
Wenn wir uns selbst immer wieder neu in den
Liebesstrom der Liebe Gottes stellen, werden wir selbst erfüllt sein und
gleichzeitig immer mehr mit Liebe zu anderen hin überfließen. Das ist wahre
Jüngerschaft und ist unvergleichlich viel leichter als verbissen aus eigener
Kraft zu versuchen, liebevolle Jünger Jesu zu sein und daran zu scheitern und
nicht selten aufzugeben oder auszusteigen. Aber etwas viel Größeres ist möglich
und macht lebendig: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander
liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt. Daran wird
jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander
habt.“ (Johannes 13, 34.35)
Aus der immer wiederkehrenden Erfahrung des Geliebt-Werdens durch
unseren himmlischen Vater wächst die eigene Liebeskapazität dahin gehend, dass
wir mehr und mehr in der Lage sind andere zu lieben. Jesus gebietet uns das
sogar. Der Grund ist ganz einfach: Gottes Liebe und Gnade sind unteilbar. Sie
gelten nicht nur mir für mich selbst, sondern auch für die anderen um mich
herum und alle anderen. Deshalb sind wir dazu berufen, als von Gott Geliebte
anderen durch uns die gleiche Erfahrung zu ermöglichen: In dem wir andere
annehmen und lieben, ihnen vergeben und sie ermutigen machen wir genau das, was
Gott mit uns macht und wie er allen anderen begegnen will – ganz direkt und
indirekt durch uns. Damit werden wir uns in der nächsten Woche intensiver
beschäftigen.
Steffen
Kahl-Gaertner, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Kreuzgemeinde Bremen, 22.
Februar 2026 (KW 09)