“Wenn Gott anders führt als erwartet“
9 Am nächsten Tag, als diese auf dem Wege waren und in die Nähe der Stadt kamen, stieg Petrus auf das Dach, zu beten um die sechste Stunde. 10 Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, kam eine Verzückung über ihn, 11 und er sah den Himmel aufgetan und ein Gefäß herabkommen wie ein großes leinenes Tuch, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde. 12 Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. 14 Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Gemeines und Unreines gegessen. 15 Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht unrein. 16 Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Gefäß wieder hinaufgenommen gen Himmel. (…)
34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm.
Apostelgeschichte 10, 9-16.34
Liebe Leserinnen und Leser dieses Wochenbriefes!
Ich empfehle dringend, jetzt Apostelgeschichte 10, 1-48 zu lesen, damit der Zusammenhang deutlich macht, worüber wir heute nachdenken: „Wenn Gott anders führt als erwartet…“
Was hier in Apostelgeschichte 10 geschieht, ist bahnbrechend für den ganzen Verlauf der Heilsgeschichte und der Weltmission, für den die Entwicklung des Reiches Gottes und der Gemeinde Jesu bis zur Wiederkunft Christi: Nicht-Juden kommen zum Glauben an Jesus Christus und werden der Gemeinde Jesu hinzugefügt! Alle Christus-Nachfolger waren bis dahin Juden, die an Jesus gläubig geworden waren, das war ja auch logisch, dass Mitglieder des Volkes Gottes Israel als erstes den Messias und Retter Jesus erkannten. Aber das nun die Rettung auf Menschen aller Völker ausgedehnt wird und deshalb auch der römische Hauptmann Kornelius mit Verwandtschaft und Freunden den Heiligen Geist empfangen und getauft werden, das war so anders als alles bisher Geglaubte und Verstandene! Wenn Gott anders führt als erwartet, dann sind folgende Haltungen – wie wir bei Petrus wahrnehmen können – wichtig, damit wir Gottes Wege nicht verpassen oder gar verhindern:
Nicht innerlich blockieren („sie entsetzten sich“ V. 45)
Weil der völlig überzeugte Judenchrist Petrus sorgfältig auf Gott gehört hatte, blockiert er nicht die wie anderen Judenchristen. Er ist innerlich offen geworden für Gottes neues Handeln!
Grundhaltung: „Dein Wille geschehe“
Sein Herr Jesus Christus hatte auch Petrus gelehrt, „Dein Wille geschehe“ zu beten. Für Petrus war klar: Es geht nicht um meine Überzeugung, sondern um Gottes Willen in meinem Leben und Dienst.
Wirklich innehalten („Während aber Petrus nachsann über die Erscheinung…“ V. 19)
Dennoch musste Petrus sehr bewusst innehalten, er brauchte Zeit und musste „sacken lassen“, was Gott ihm gezeigt hatte, um es schließlich zu verstehen.
Versuchen, Zusammenhänge zu verstehen: vorher – jetzt – zukünftig
Petrus setzt das, was er gehört hat, in Bezug zur Geschichte Gottes: Was war bisher, was geschieht gerade, wie wird sich das in der Zukunft auswirken? Dadurch findet er Gewissheit. Es wird nachvollziehbar.
Besonders „hellhörig“ Gott gegenüber sein
Man kann in Apostelgeschichte 10 gut erkennen, wie „hellhörig“ Petrus Gottes Antwort auf seine Fragen sucht. Diese Offenheit Gott gegenüber überwindet seine bisherigen verfestigten Überzeugungen.
Geistliche Erfahrung / Einschätzung anderer ernstnehmen
Dabei hört Petrus auch genau auf das, was die anderen Beteiligten mit Gott erlebt haben. Er hört genau zu, wie der heidnische römische Hauptmann ihm bezeugt, was dieser mit Gott erlebt hat. So werden die Erfahrungen eines anderen wegweisend für Petrus. Es ist wichtig, ernsthaft auf geistliche Eindrücke und Erfahrungen anderer zu hören und sei für die eigene Erkenntnis zu gewichten.
Vertrauen, auch ohne alles schon zu verstehen
Petrus versteht nicht alles auf einmal. Aber er vertraut sich der Führung Gottes an und geht Schritt für Schritt weiter, bis er Klarheit findet. Dabei trägt ihn sein Vertrauen in den gegenwärtigen handelnden Herrn: „Die Dinge, die noch unklar sind, wird Jesus klar werden lassen.“ Damit lässt es sich vorangehen.
Gewissheit finden und handeln
Schließlich handelt Petrus aus einer neu gefundenen Gewissheit heraus. Er bleibt nicht unentschieden: „Vielleicht? Vielleicht doch nicht?“ Er folgt dem, was Gott ihm gezeigt hat und dadurch kann Gott ein neues Kapitel mit der Weltgeschichte aufschlagen: „Das Heil in Jesus Christus gilt den Menschen in aller Welt!“
Steffen Kahl-Gaertner, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Kreuzgemeinde Bremen, 17. Mai 2026 (KW 21)